Chor

Foto: Michael Jordan

Kirchenchor Herz Jesu Koblenz – eine feste Institution

In den 1920er Jahren war die Gründung eines gemischten Kirchenchores ein großes Anliegen des damaligen Pastors Dr. Julius Schmitt. Allerdings war vielen in dieser Zeit ein gemischter Chor noch ein Dorn im Auge.

Ungeachtet dessen wurde Ende 1922 der gemischte Kirchenchor Herz Jesu gegründet und begann Anfang 1923 mit den Proben.

Als nebenberuflicher Chorleiter wurde Josef Heinen angestellt. Er sang zum ersten Mal mit dem Chor an Ostersonntag 1923 im Hochamt.

Unter der Führung seines musikalischen Leiters vollbrachte der Chor im ersten Jahr viele beachtliche Leistungen. Noch im gleichen Jahr begann die Einstudierung einer 6stimmigen „Missa o Crux Ave“

Ein Chorleiterwechsel vollzog sich im Jahre 1929. Für eine kurze Vakanz übernahm Peter Kirschem das Dirigat. Nach Ausschreibung der Stelle für Organist und Chorleiter fiel die Wahl auf Musikdirektor Severin Wiemer aus Essen. Severin Wiemer war ein Meister an der Orgel und brachte zudem den Chor, bis zum Kriegsausbruch 1939, auf seinen musikalischen Höhepunkt.

Es begannen die Vorbereitungen von Orchestermessen der Klassiker, z.B. Messen von Mozart, wie auch die große Messe in B (Theresienmesse) von Josef Haydn. Diese durften vorher nicht aufgeführt werden oder wurden nur selten vom Klerus geduldet.

Eine große Zäsur brachte der 2. Weltkrieg. Musikdirektor Josef Buschmann aus Ehrenbreitstein leitete den Chor bis 1949 durch die schweren Kriegsjahre und hielt ihn unter großen Schwierigkeiten singfähig.

Nach dessen Weggang übernahm der damalige Organist und Chorleiter von Liebfrauen, Caspar Oehms – Vater des späteren Domorganisten von Trier, Wolfgang Oehms –die Leitung des Chores bis 1950.

Mit dem Wiederaufbau der Herz Jesu Kirche wurde auch die Frage nach einem eigenen Organisten und Chorleiter akut. Auf seine Wiederbewerbung hin kam Musikdirektor Severin Wiemer erneut an die Herz Jesu Kirche und blieb bis 1961. Unter seiner Leitung entwickelte sich eine rege Sangestätigkeit durchs Kirchenjahr hindurch.

Für kurze Zeit (Ostern 1961 – Ende 1962) übernahm Günther Kaunzinger die Nachfolge. Auf Grund seiner Begabung blieb er allerdings nur kurz in Koblenz. Günther Kaunzinger wurde als Organist und Pianist im In- und Ausland berühmt.

Ernst Mathias Schmitz übernahm im Anschluss die Stelle als Organist und Chorleiter von Herz Jesu. Die in seiner Zeit vollbrachten Leistungen sind vielfältig. Nur einige unvergessliche Höhepunkte seien erwähnt:

Die Konzertaufführungen der „Missa di Sancta Caecilia“ von Scarlatti in der Florinskirche, Koblenz und in der Abteikirche von Maria Laach. Ein besonderes Ereignis war die zum 50jährigen Bestehen des Chores unternommene Romreise. Dort wurden verschiedene Gottesdienste musikalisch mitgestaltet.

Ernst Mathias Schmitz blieb bis 1989 und wurde wegen seiner Verdienste, anlässlich des 70jährigen Bestehens des Chores, zum Ehrendirigenten ernannt.

Bis zur Anstellung von Joachim Aßmann als Organist und Chorleiter Ende 1990, war Heinz-Willy Grandjean kommissarisch als Organist und Chorleiter tätig.

Joachim Aßmann machte sich als Organist schnell einen Namen und widmete sich mit ebenso viel Hingabe und Engagement der Chorarbeit. In den nachfolgenden Jahren war es sicher nicht immer leicht für ihn zwischen „musikalischer Qualität“ und „persönlichem Wohlfühlen“ zu agieren.

Mit viel Humor und Energie arbeitet Joachim Aßmann an den Themen Rhythmus, Stimmbildung und Klangfarbe. Auf diese Weise hilft er den einzelnen Chormitgliedern sich weiterzuentwickeln und kann über die Jahre hinweg eine große qualitative Steigerung des Chores erreichen.

In den vergangenen Jahren wurden u.a. folgende Werke aufgeführt:

Die „Krönungsmesse“, die „Spatzenmesse“ und das „Requiem“ von W.A. Mozart. Von J. Haydn kamen die „Schöpfung“, die „Pauken-Messe“ und die „Mariazeller-Messe“ zur Aufführung. Es folgte der „Messias“ von G.F. Händel. Von J.S. Bach erklangen verschiedene Kantaten, das „Weihnachtsoratorium“ und die „Johannespassion“, von G. Fauré das „Requiem“ sowie die „Missa solenelle“ von L. Vierne und der “Lobgesang” von Mendeslssohn Bartholdy.

Zudem fanden musikalisch gestaltete Chorfahrten nach Rom, Paris, Leipzig, Aachen und Brügge statt.

Ganz zum Ende darf eines nicht außer Acht gelassen werden: gute Chormusik wird nur in Zusammenarbeit erreicht:

Es geht um eine gute Zusammenarbeit zwischen Pastor und Chorleiter, die Gabe eines Chorleiters die Freude und Begeisterung des Musizierens auf seinen Chor zu übertragen und nicht zuletzt die wichtige Arbeit eines guten Organisationsteams, mit seinen Talenten den Rücken des Chorleiters freizuhalten.

Rückblickend auf die fast hundertjährige Geschichte des Kirchenchores Herz Jesu Koblenz kann sie sicherlich als Gelungen angesehen werden.
AR